INFERNO
De et avec Felipe Cabezas Mise en scène Berty Tovías Coordination acrobatique Alberto Feliciate Création musicale Marco Chiaperotti Costumes Isabella Pintani Création lumières Edgard Paulino
Gestern gab es Theater aus Spanien zu sehen. Und zwar vom in Barcelona lebenden Chilenen Felipe Cabezas. Er hat im März diesen Jahres ein eigenes Theater gegründet, das Sala Fenix, wo seine Ein-Mann-Commedia del Arte-Show Inferno ab Oktober regelmäßig zu sehen sein wird.
Die Bühne ist dunkel und leer. Wir sitzen. Es kommt dramatische Klaviermusik vom Band und der Schauspieler Felipe Cabezas wuchtet in mittelalterlicher Kluft eine Holzkiste auf die Bühne. In deren Mitte angekommen, braucht er erstmal einen Schnaps und ruft nach Arlecchino. Wir begreifen schnell: Jetzt kommt Commedia del Arte, jetzt kommen nicht nur Tristano Martinelli, sondern auch Arlecchino, Rocco, der Vecchio und alle anderen auch. Wie ein Wirbelwind aus der Inferno-Hölle springt, kugelt, radschlagt, prügelt, sich Felipe Cabrezas mit dem ihm größtmöglichen Körpereinsatz über die Bühne, und erweckt die gesamte Personage der italienischen Theatertradition zum Leben. Und immer wenn man denkt, jetzt sei die Geschichte vorbei, zieht er noch ein Ass aus dem Ärmel und schlüpft in das nächste Kostüm, setzt noch einmal die Maske auf, prügelt sich noch einmal mit sich selbst, macht noch einen schwergewichtigen Radschlag, Furzgeräusche oder formt mit seinen Händen Colaflaschen. Ach, nee, das sollen Frauenkörper sein. Verzeihung. Mein Spanisch ist beschränkt und die Obertitel sind Französisch. Manchmal muss ich an Mittelaltermärkte denken. Und an Marcel Marceau.
Felipe Cabezas pantomimischen Fähigkeiten laufen zu Höchstform auf, als er einen Jahrmarkt ohne Jahrmarkt darstellt, oder einen Schinken, der in einem Tresor eingeschlossen ist oder eine Fliege, die er verschluckt.
Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, ich hatte keinen Zugang zu diesem Werk. Und Felipe Cabezas als Schauspieler schien mir vielmehr zu zeigen: Schau, wie gut ich das kann, ich hab sehr viele Workshops gemacht. Doch mir waren seine Impulse zu langsam, die Wendungen zu vorhersehbar. Es mag daran liegen, dass ich ungebildet bin, denn mit Commedia del Arte kenne ich mich nicht aus, aber ich war wahrlich überrascht, als das überwiegend spanische Publikum großzügig applaudierte.
Oke. Wieder was gelernt. Lieber einen Schinken im Tresor, als ein Inferno an der Backe.
Es schaute für euch
eure
Niagara Kate

© Simone Branchini