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Eric.

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Ein Derwisch zwischen drei Atemzügen

RÉCIT EN TROIS SUFFLES

De Julien Mabiala Bissila Avec Eric Affocou Mise en scène Oumarou Aboubacari Bétodji Collaboration s Steve Karier, Martin Engler 

Auf der Bühne steht ein Hocker mit einem Telefon darauf und eine mit Frischhaltefolie umwickelte Kleiderstange hinter der sich der Schauspieler Eric Affocou zu Beginn verbirgt.

In drei Runden fächert der Regisseur Oumarou Aboubacari, den wir alle als Beto kennen, den Text des Autors Julien Mabiala Bissila vor uns auf. Mit kräftigen Figuren und einem komödiantischen Spielstil greift sich Eric Affocou die Bühne, wirbelt wie ein Derwisch darüber hinweg, liegt erschöpft am Boden, singt, springt, lacht und spricht zu uns. Erzählt uns in 3 Atemzügen vom Bürgerkrieg. Er lässt Tote wieder auferstehen und zwischen den holzschnittartigen Figuren, die der Commedia del Arte entspungen zu sein scheinen, das Grauen zu uns in den Theatersaal. Begleitet wird die Inszenierung von kräftigen Licht und Musikelementen.

Der Ritt beginnt in einem Krankenhaus, wo ein Arzt zwischen seiner Frau an der Strippe und den Eingelieferten Schwerstverletzten und Toten jongliert, bis das Grauen ihn erfasst und der Doktor sich in einem Frankensteinderwisch verwandelt und die Requisiten von der Bühne wirbelt. Nächster Atemuzug. Zwei Züge rasen ineinander. Es bleibt keine Zeit zum Verschnaufen, Krieg ist eben Krieg und hält einem immer in Bewegung, denkt sich Niagara Kate, und klammert sich an ihr Französischvokabular aus der 9. Klasse, in dem solche Worte nicht vorgesehen sind. Dritter Atemzug: In meinem Vokalbelheft steht nichts von Mienen und Kalaschnikows und Köpfen wegschießen.

Und vielleicht kann man das nur in dieser surrealen Weise auf die Bühne bringen, wie Beto und Eric das getan haben. Die Überzeichnung ist die Distanz, die vielleicht gebraucht wird, um etwas erkennen zu können von dem, was man nicht sehen kann, wenn man zu nah dran ist. 

Hauptsache, wir entfernen uns nicht zu weit, damit wir immernoch erkennen können, was es ist. Ich hatte gestern mein Fernglas vergessen, so dass ich erst über Gespräche die Handlung verstanden habe.

Die Koproduktion zwischen Fundamental und dem Arène Théâtre ist die Dritte Arbeit von Beto in Luxemburg, in den Jahren zuvor war er als Schauspieler zu sehen. Nun versucht er den Spielbetrieb des Arène Théâtre nach dem Tod Alfred Dogbés aufrecht zu erhalten und wird durch Steve Karier und Fundamental dabei unterstützt. Und das ist gut so.

Es gab kräftigen Applaus für das Team, und das war der für mich wirklich berührendste Moment des Abends, zu sehen, wie Eric Affocou seinem ersten Applaus in Europa begegnet ist: Ungläubig. Scheu. Glücklich.

Es tanzte für euch
eure
Niagara Kate

© Bohumil Kostohryz

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Niagara Kates Kopfdialoge

Grüner Schwan an weiße Ente. Ein Stereodrama am WalkieTalkie#21 

 …krchkrchkrch Weiße Ente bitte kommen…knister… I hear you, Grüner Schwan… rauschschsch… Ich bin wieder da… chichichch… Wo warst du denn?…. kchkhckch… Im Archiv, wegen dem Zwischenstand.… knisterkrchk… Des Zwischenstands. Und? ... chhhh 17 : 5 chchch… Das holt Marx dieses Jahr nicht mehr auf. Gandhi rulez ma sagen.…chchch Ja. Und weiß du schon das Neuste?….fchfchfch Nö. ….raschel… Niagara Kate wird heute beichten. …fschfschsfhhhh…Was? …knister Ja, in der Truth Box. Hat die Regisseurin gesagt. … raschelraschelKomm, nix wie hin, wir nehmen ihr die Beichte ab. … ssssschch… Genau. ... hüstel… Verlorenes Schaf, was hast du uns zu sagen?.  krkkkrkrk…Das macht dann 73 Vater Unsers.… rausch Unser. Ohne S. chchch.. Und tausend Ave Mariasse …. chchchch… Hehe. Und drölfmillionen Rosenkränze….. Komm wir malen uns einen Bart an fchfchfch Warum das denn? sssshhhhhhh…. Keine Ahnung. INKOMA MEIRI MÖGAR … Wir sehen uns in der Truth Box chchchchch Roger. Over. And. Out. ….fauch…. Ach, Grüner Schwan?… chchchc…. Ja?… BONJOUR. hehe… Du Penner, echt jetzt…. knackknack


(Quelle: fundamantal.lu)

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Ihsan.

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#drengezi - ein Interview mit Yiğit Sertdemir

Nach der Vorstellung von Kollektivtäter sitzen wir hinter der Bananenfabrik auf einer Treppe. Yiğit Sertdemir, seine gesamte Truppe und ich. Sie sind fix und fertig. Seit Tagen sind sie in Istanbul mit bei den Demonstrationen dabei, heute während sie in Luxemburg waren, ist die Regierung mit Härte gegen die Demonstraten vorgegangen. Heute rollten Panzer, flogen Geschosse, in der Türkei gehts ab und im türkischen Fernsehen laufen Tierdokus. Ihre Informationen beziehen die Demonstranten von ausländischen Medien: Etwa livestreams von BBC oder norwegischen Fernsehsendern. 

Da steht gerade eine ganze Generation auf und begehrt gegen die Politik eines konservativen Regimes auf, das Kritik totschweigt, oder gar ermordet. Das sich dem Kapital beugt zum nutzen Weniger und zum Lied aller. Der letzte öffentliche Park in Istanbul sollte einem Shoppingcenter zum Opfer fallen, das löste eine Welle der Wut aus.

Das Stück Kollektivtäter, das bereits 2009 entstanden ist und in der Türkei schon über 50 Mal aufgeführt wurde, bekommt angesichts der aktuellen Straßenlage eine Wucht, die beängstigend ist. So schnell kann Theater doch eigentlich nicht sein. Doch sagt Yiğit, er habe gerade mitten im Park innerhalb von 4 Tagen ein Stück geschrieben in einem Autorenkollektiv, das von den Ereignissen am Taksimpark erzählen. Krass. Man sieht es ihnen an. Alle sind müde und wollen schnell ins Hotel, sie wollen Mails checken, von manchen Freunden haben sie seit Stunden nichts gehört, sie machen sich Sorgen.

Niagara Kate: Marx oder Gandhi?
Yiğit Sertdemir: Lenin. Nee. Wenn Marx und Gandhi Kinder hätten, dann die, aber so: Gandhi.
Niagara Kate: Dein erstes Mal in Luxemburg?
Yiğit Sertdemir: Ja.
Niagara Kate: Wenn du Luxemburg mit einem Wort beschreiben müsstest?
Yiğit Sertdemir: Friedlich. Und grün. Still!
Niagara Kate: Und dein Geburtsort Izmir? Mit einem Wort?
Yiğit Sertdemir: Friedlich.
Niagara Kate: Oh. Beide.
Yiğit Sertdemir: Ja. Ist so. Trotz aller Unterschiede.
Niagara Kate: Wo ist dein Lieblingsort?
Yiğit Sertdemir: To live Istanbul, to die Izmir.
Niagara Kate: Hast du einen Herzenswunsch?
Yiğit Sertdemir: Frieden.
Niagara Kate: Und dein Lieblingsgetränk?
Yiğit Sertdemir: Raki!
Niagara Kate: Was leibst du?
Yiğit Sertdemir: Meine Mutter, meine Freunde, unsere Gruppe, Luxemburg
Niagara Kate: Sehr diplomatisch…
Yiğit Sertdemir: Ja…
Niagara Kate: Danke für das Interview.
Yiğit Sertdemir: Sehr gerne.
 

Mit ihrem Theaterkollektiv haben sie ein Repertoire von 20 Stücken erarbeitet. Es gibt sie mittlerweile seit 15 Jahren, trotz schwierigster finanzieller Bedingungen. Bitte weitermachen, findet Niagara Kate!

Und das ist Yiğit Sertdemir.

(Quelle: fundamental.lu)

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Schauplatz einer verlorenen Generation : flieg hoch Kelebek!

KOLLEKTIVTÄTER

Von und mit Yiğit Sertdemir Regieteam Özgür Tanık, Semah Tuğsel, Gülhan Kadim, Yaman Ömer Erzurumlu, Onur Tuna Bühne und Kostüm Gamze Kuş Musik Onur Kahraman 

Wir kommen rein und sehen uns selbst auf einer Leinwand. Wir werden gefilmt. Im Dunkeln steht der Schauspieler Yiğit Sertdemir und filmt uns von der Seite der Bühne, die mit einem Absperrband tatortgleich eingegrenzt ist. Er stellt die Kamera auf ein Stativ, filmt nur seine Hände. Sie reiben sich. Lassen sich los. Verhalten winkt die eine zum Abschied. Das Bild auf der Leinwand zeigt danach Interviewsequenzen. Wieder sieht man nur die Hände von alten oder jungen Menschen. Wir sehen reingeschnittene Bilder vom Militärputsch 1980, der den Kurdenkonflikt mit zahllosen Hinrichtungen weiter anheizte und bis heute die Machtstrukturen in der Türkei bestimmt. Diese Interviewsequenzen tauchen während des Stückes immer wieder auf. Einer spricht von einer verlorenen Generation. Und das ist, im  Angesicht der Tatsache vom Taksim- und Gezi-Park so dermaßen aktuell, dass einem das Blut in den Adern gefriert.

Yiğit Sertdemir liegt am Boden, nimmt Todesopferpositionen ein. Malt um sich selbst herum einen weißen Kreidestrich. Errichtet sich eine Gedenkstätte mit Kerzen, roten Rosen, streut rotes Pulver in den Kreideleib. Lässt Wasser darauf, bedeckt das entstandene Blut mit einer Kreuzworträtsel-Zeitung, deckt den ganzen Leib damit ab. Mit Wut und Wucht wird dieser Tatort wieder demontiert, und auch die Kunstblutreste mit Kreuzworträtseln weggewischt.

Ein Gedicht wird an die Leinwand gebeamt. Ein Gedicht, das von einem Schmetterling handelt. Und das beim Schreiben zensiert wird. Wo es eben noch hieß: Flieg hoch hinaus, wird gelöscht und neu angesetzt mit: Bleib schön auf dem Ast sitzen.

Plötzlich hat Yiğit Sertdemir eine Papiertüte über dem Kopf und wir sind mit ihm in einer Talkshow. Klatschen! steht an der Leinwand. Wir hören Applaus. Es spricht der Kollektivtäter zu uns aus der Tüte. Und schon werden wir in die nächste Situation geworfen: Sertdemir wird zum Seminarleiter, der uns beibringt unsere Gedanken zu manipulieren und wegzusehen. Ruhe bitte! Teschekür Ederim. Wieder wendet sich nach der Sequenz das Blatt und wie sehen einen jungen Mann, der sich selbst filmt. Er legt ein Geständis ab: Ja, ich habe meine Schwester getötet, weil die sich verliebt hat, ich habe den ersten Stein geworfen, als meine Schwester vergewaltigt wurde, ich habe meine Frau geschlagen, wir behandeln Frauen schlechter als unsere Rinder… Ein ganzes Kollektivtätergeständnis wird da losgelassen, doch dann klingelt das Handy, die Freundin ist dran: Man ich mach gerade die Aufnahmen mit dem Frauenkram… Ja, das mit den Rindern habe ich auch gesagt… Bis später Bussi ja ich ich auch… Er fingert sich Tigerbalsam aus der Tasche schmiert es sich unter die Augen: Tränen bahnen sich an, er filmt sich weiter. 

Sertdemir kommt als Nummer 118 zum Casting, eine Szene aus einem Film will er vorspielen. Was er von Beruf sei: Er habe Geschichte studiert auf Lehramt. Aber nicht abgeschlossen, weil bei der Abschlussprüfung die richtigen Antworten nicht unter den möglichen Lösungen waren… Dass er ein Verlorener sei, sagen die Caster, und da platzt es aus der schüchternen Nummer 118 raus. Ein Schwall der Empörung ergießt sich über die Bühne. Aus der Regieloge dringt Applaus. Es hat gefallen. Wirklich fragt er schüchtern?

Es folgt ein Abschiedsbrief. Wir sehen wieder das am Anfang gefilmte Publikum.  Wieder eine Hände, die sich verabschieden. Eines Tages wird jeder für 15 Minuten ein Mensch sein. Es ist vorbei. Applaus.

Genau jetzt auf dem Gezi-Platz sind die Leute Menschen. Sie kämpfen für ein humaneres Leben in ihrem Land. Arzt und Arbeitsloser stehen Seite an Seite. Und man möchte sagen: Haltet durch. Flieg Schmetterling, flieg Kelebek, steig in den Himmel und bleib nicht auf dem Scheißast sitzen und halte nicht deinen Mund. Halte durch. Halte durch. Drengezi.

Es schaute für euch
eure
Kelebek-Frau Niagara Kate 

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© Hüseyin Ovayolu

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Ich war eine Stiefmutter - ein Interview mit Florence Minder

Okay. Ich gebe zu: Es war eher ein Gespräch, das sich da mit der in Brüssel lebenden Schweizerin Florence Minder entwickelt hat. Vor allem, weil wir uns sehr gut inspirieren können. Mir hatte ihre Produktion “Good Mourning” so gut gefallen. An den üblichen Fragen haben wir uns aber trotzdem entlang gehangelt. Das hier ist stark gekürzt.

Niagara Kate: Florence, ich stelle allen Interviewpartnern die selben Fragen, um soetwas wie einen roten Faden zu haben.
Florence Minder: Okay.
Niagara Kate: Marx oder Gandhi?
Florence Minder: Gandhi.
Niagara Kate: Dein erstes Mal in Luxemburg?
Florence Minder: Zweites.
Niagara Kate: Wenn du Luxemburg mit einem Wort beschreiben müsstest?
Florence Minder: sie denkt Ein Wort? Hm. Wie sagt man das: Unvorhersehbar.
Niagara Kate: Und Bruxelles mit einem Wort?
Florence Minder: Unprätentiös.
Niagara Kate: Und Lausanne, wo du geboren bist?
Florence Minder: Schief. So: macht eine schräge Hand
Niagara Kate: Bergauf?
Florence Minder: Ja.
Niagara Kate: Hast du einen Herzenswunsch?
Florence Minder: Ich möchte eine zweite Show machen. Nein Quatsch, das ist kein Wunsch. Also eigentlich gibt es da nur zwei Optionen: Entweder ich werde eine kraftvolle (actually she said powerful) Künstlerin, und es ist komisch, dass ich gerade powerful gesagt habe. Oder, auf einer persönlichen Ebene: Ich adoptiere ein Kind. Ein Kind das von sehr weit weg kommt. Darüber phantasiere ich, seitdem ich klein bin. Ich glaube, dass in dieser Beziehung etwas sehr Humanes liegt. Eine Herausforderung. Vielleicht habe ich einfach auch nur den Wunsch mich in schwierige Situationen zu bringen. 
Niagara Kate: Darf ich fragen warum Adoption?
Florence Minder:  Vielleicht hat das auch mit der Sprache zu tun. Meine Mutter ist Deutsche und wir sind im französischen Teil der Schweiz aufgewachsen. Sie hat mit mir nie Deutsch gesprochen. Auf Französisch hatte sie aber keine Geschichten, keine Familienanekdoten, alles das, was emotional verknüpft ist, war nicht mit dem Französischen verbunden, so kam es, dass wir einen sehr diplomatischen Sprachumgang miteinander hatten. Und vielleicht interessiert mich das auch bei der Adoption, dass man da etwas zusammen entwickelt, einen gemeinsamen Raum. Eine Beziehung. Ich war mal eine Stiefmutter. Und dieses Wort ist echt schlimm: Stiefmutter, aber es gibt kein gutes Wort dafür, in keiner Sprache, es ist an der Zeit, dass wir ein neues Wort dafür erfinden: Mit einem Kind zu leben, das nicht dein eigenes ist. Also heutzutage haben ja viele Menschen nach einer Trennung mit Kind wieder neue Beziehungen. Wie geht man damit um, wenn dann diese Beziehung endet und man von einem Tag auf den anderen das Kind nicht mehr sehen darf, weil man nicht die leibliche Mutter ist von dem Kind, mit dem man vielleicht über Jahre ein gutes Verhältnis aufgebaut hat, zack vorbei von einem Tag aus den anderen. Aber zurück zum Wunsch. Ich glaube ich sage: Ich möchte mit Menschen Beziehungen eingehen. In der Lage zu sein, mit anderen zusammenzuarbeiten.
Niagara Kate: Warum hast du dir den Beruf ausgesucht?
Florence Minder:  Ich habe schon sehr früh angefangen Schauspielunterricht zu nehmen. Mit 5 Jahren. Ich hab einfach nie mehr aufgehört. Ich war dann in einer Jugendgruppe, mit 18 in Genf dann in einem Vorbereitungskurs, dann habe ich in Frankreich die Aufnahmeprüfungen gemacht und bin überall in der ersten Runde rausgeflogen. Danach war ich in New York und als ich wiederkam dachte ich mir, gut, dann versuchst du es eben noch in Belgien, und zack, es hatte geklappt. Da hab ich dann 4 Jahre studiert. Ich mag gerne auf der Bühne sein. Es fühlt sich einfach richtig an. Für mich ist das auch ein Ort, wo ich die Wahrheit sagen kann. Ein Raum, um Wahrheit anzuerkennen. Ich brauche definitiv mehr shows. In Good Mourning zeige ich meine neue Identitätsschöpfung durch eine neue Sprache. Als es mir sehr schlecht ging, hatte ich das Gefühl, dass ich Französisch nicht mehr sprechen kann, ohne an das Alte gebunden zu sein. Also habe ich mich neu erfunden und nur noch Englisch gesprochen.
Niagara Kate: Wie? Also dein ganzes Sprachleben umgedreht? Auch privat?
Florence Minder:  Ja. Es ging mir so schlecht, dass ich das gebraucht habe. Eine Neuerfindung meiner selbst. 
Niagara Kate: Was ist dein Lieblingsort?
Florence Minder:  Es sollte ein Ort sein, der sich bewegt, oder von Bewegung zeugt, ein Flughafen. Flugzeug, Zug. Bahnhof. Es muss aber so sein, dass ich gehen werde, also nicht gerade angekommen bin. Oder ein Hotel. Eigentlich ist das mein Wunsch: In einem Hotel zu leben. Ich mag es, wenn die Dinge da neu und frisch sind, wie ich es auch in Good Mourning gesagt habe. 
Niagara Kate: Was liebst du?
Florence Minder: überlegt sehr lange, dann Auf jeden Fall Natur. Seen. Etwas von Grund auf zu erschaffen.
Niagara Kate: Und was ist dein Lieblingsgetränk?
Florence Minder:  Sprudelwasser.
Niagara Kate: Florence, Danke.
Florence Minder: Bitte.

Das ist sie:

(Quelle: fundamental.lu)

Video

Yigit.

Photoset

Niagara Kates Gefängnis-Schreibstube.

(Quelle: fundamental.lu)

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7 H 3 D - ein Bergfestinterview

Miniinterview mit der Festivalleitung#4

Niagara Kate: Wie erschöpft bist du auf einer Skala von 0-10?
Steve Karier: Heute um 15 Uhr 14,0. Jetzt 7,9.
Niagara Kate:
Was war heute los bei 14,0 ?
Steve Karier: Jede Menge Zeug. Das sind jetzt lange Tage. Viele Leute. Da war ich müde. Dann hab ich mich hingelegt, ein halbes Stündchen geschlafen, bin aufgestanden hab mir den Hals gewaschen und mir was ordentliches angezogen, jetzt gehts wieder.
Niagara Kate: Bist du mit dem Festival zufrieden?
Steve Karier: Sehr.
Niagara Kate: Was hat sich im Verhältnis zu den letzten Jahren verbessert?
Steve Karier: Wir sind jetzt autarker. Wir werden dichter und machen mehr Leute glücklich. Noch mehr als früher entwickeln sich auf dem Festival Sachen. Künstler kommen zusammen und denken sich was aus.
Niagara Kate: Was wünschst du dir fürs nächste Jahr?
Steve Karier: denkt, raucht, dann Achja. Wenn ich jetzt sage mehr Mittel ist das irgendwie auch doof. Das ist ein Fass ohne Boden. Wenn man 120.000 hat, dann denkt man: Och, 150.000 wären besser. Das ist wie ein Teilchenbeschleuniger, ich könnte auch ne halbe Million verbraten. Hm. Was wünsche ich mir fürs nächste Jahr. Im Moment noch gar nichts.
Niagara Kate: Ich habe schon mit anderen darüber gesprochen: Warum gab es keine Frauen-Monologe aus der subsaharischen Zone zu sehen? 
Steve Karier: Da waren zwei Fälle, die waren nicht machbar. Zeitlich nicht machbar. Und es gab vieles, was mir einfach nicht gefallen hat, wo ich nicht gefunden habe, dass wir das hier zeigen sollten.
Niagara Kate: Warum gibt es mehr Männer-Monodramen zu sehen, als Frauen-Monodramen?
Steve Karier: Ich will hier kein Frauenfestival machen. Manchmal sind mehr gute Bewerbungen von Frauen dabei manchmal weniger. Manchmal passieren auch sehr kurzfristige Dinge. Das ist eine sehr windige Angelegenheit.
Niagara Kate: Windig im Sinne von wehen, nicht schlängeln?
Steve Karier: Genau. Bei Windstärke 7 verweht es dir manchmal die Elemente. Es war zum Beispiel Dominque Roodhooft eingeladen, eine Frau mehr fürs Programm, die konnte aber nicht, die musste in letzter Sekunde absagen und dann hat sie ihren Mann geschickt, eben nicht, weil sie für ihn zurückgetreten ist, sondern, weil sie nicht konnte. Auch bei den Bewerbungen haben wir die klassische Verteilung: Mehr Männer als Frauen.
Niagara Kate: 8H 2D?
Steve Karier: sagen wir 7H 3D. Das bedeutet eben aber auch, dass mehr Männer Absagen kriegen. 
Niagara Kate: Danke für das Interview.
Steve Karier: Gerne. Ich geh jetzt Händeschütteln

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Jonah.

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Inkoma Merii Mögar

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Goooooood Mooooorning, Luxembourg!

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Grillhähnchen und Bier - ein Interview mit Etienne Minoungou

Eitenne Minoungou lebt abwechseld in Ouagadougou in Burkina Faso und Brüssel in Belgien. Er ist Schauspieler, Regisseur und Leiter eines Theaterfestivals in Burkina Faso. Ihr habt ihn im Stück M´appelle Mohamed Ali gesehen, ich habe ihn hinterher für euch befragt.

Niagara Kate: Ich stelle allen immer die selben Fragen. Als eine Art kleiner roter Faden. Okay, es geht los. Marx oder Gandhi?
Etienne Minoungou: Marx. 
Niagara Kate: Wow. Dieses Festival bist du der erste, der Marx antwortet.
Etienne Minoungou: Was mir gefällt, ist nicht das Resultat, es ist der Akt. Pow! Wie er auf die Welt und auf Geschichte blickt. Gandhi zu sagen wäre sehr bequem gewesen.
Niagara Kate: Ist es dein erstes Mal in Luxemburg?
Etienne Minoungou: Ja.
Niagara Kate: Und wenn du Luxemburg mit einem Wort beschreiben müsstest?
Etienne Minoungou: er denkt, schmunzelt, dann Ehrlich gesagt habe ich nicht den Eindruck, dass es wirklich ein Land ist, sondern ein Arrangement.
Niagara Kate: Ich ahne, was du meinst. Und wenn du Ouagadougou mit einem Wort beschreiben müsstest?
Etienne Minoungou: Staub.
Niagara Kate: Welche Farbe hat der Staub?
Etienne Minoungou: Rot.
Niagara Kate: Ich war noch nie in Afrika.
Etienne Minoungou: Was? Das gibt es doch nicht.
Niagara Kate: Es ist mir auch peinlich, aber es hat sich noch nie ergeben.
Etienne Minoungou: Du musst kommen. Ich habe ein Festival. Das müssen wir irgendwie organisieren.
Niagara Kate: Weiß du, manchmal denke ich: Es heißt immer “Afrika” und “afrikanisch”, und das ist ein ganzer Kontinent, supergroß und ich hab keinen Schimmer davon. Peinlich. Wirklich.
Etienne Minoungou: Du musst mal kommen.
Niagara Kate: Ja. Hast du einen Herzenswunsch?
Etienne Minoungou: Einen absoluten?
Niagara Kate: Ja.
Etienne Minoungou: Dass die Krankheit des Leidens, der Demütigung und der Unterdrückung aufhören.
Niagara Kate: Was ist dein Lieblingsort?
Etienne Minoungou: Unter einem Baum.
Niagara Kate: Und was liebst du?
Etienne Minoungou:  Ahh. Am Abend noch auf der Straße unterwegs sein. Und dann ein Grillhähnchen essen und dazu ein Bier.
Niagara Kate: Dein Lieblingsgetränk?
Etienne Minoungou: Bier. Dolo. Das ist mit Malz.
Niagara Kate: Danke, Etienne.
Etienne Minoungou: Gerne. 

Und so schaut er aus:

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(Quelle: fundamental.lu)

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Haben Sie Bock auf Bergfest?

Ich habe gerade ein 3,5 Stunden-Interview mit Florence Minder gemacht, darum war es heute so still.

Nun tippe ich noch eben das Interview mit Etienne Minoungou ab und dann ab in die Bananenfabrik.

Heute gibt es um 20 Uhr die türkische Produktion Kollektivtäter zu sehen. Ich freue mich sehr. Leider ist mein Türkisch noch bescheidener als mein Französisch, aber es gibt Untertitel. Deutsche. 

Offen ab 19 Uhr wie jeden Tag: Die Truth Box.

Es hat Bock
eure
Niagara Kate